Wirkdruckgeber: Was sind sie und wofür werden sie eingesetzt?

Sven Dosch ·
Präzisionsdrucksensor an einem Edelstahlrohr mit maschinell bearbeiteten Metallfittings und Gewindeanschlüssen in einer Industrieanlage.

Wer in der Prozessindustrie mit Gasen, Dämpfen oder Flüssigkeiten arbeitet, kommt an einer präzisen Durchflussmessung kaum vorbei. Wirkdruckgeber gehören dabei zu den bewährtesten Messinstrumenten überhaupt: Sie kombinieren robuste Messtechnik mit hoher Genauigkeit und lassen sich in einer Vielzahl industrieller Umgebungen einsetzen. Doch was steckt eigentlich hinter dem Begriff, und wann ist ein Wirkdruckgeber die richtige Wahl?

Im Kern handelt es sich bei einem Wirkdruckgeber um ein Gerät, das den Differenzdruck an einem Strömungswiderstand misst und daraus den Volumenstrom berechnet. Dieses Prinzip klingt simpel, ist aber in der Praxis außerordentlich vielseitig einsetzbar. Der folgende Überblick erklärt das Funktionsprinzip, typische Einsatzgebiete, gängige Bauformen und worauf bei der Auswahl und Integration zu achten ist.

Funktionsprinzip: Wie Wirkdruckgeber Durchfluss messen

Wirkdruckgeber nutzen das physikalische Prinzip der Druckdifferenz, um Durchflussmengen zu ermitteln. Wird ein Fluid durch eine Rohrleitung geleitet und trifft dabei auf einen Strömungswiderstand, entsteht vor und hinter diesem Widerstand ein messbarer Druckunterschied. Dieser Differenzdruck steigt mit zunehmender Strömungsgeschwindigkeit und ist damit ein direktes Maß für den Volumenstrom.

Die Beziehung zwischen Differenzdruck und Durchfluss folgt dem Gesetz von Bernoulli: Der Durchfluss ist proportional zur Wurzel des gemessenen Druckunterschieds. Der Wirkdruckgeber erfasst diesen Druckunterschied mit hoher Präzision und wandelt ihn in ein elektrisches Ausgangssignal um, das sich weiterverarbeiten, anzeigen oder regeln lässt. Dieses Messprinzip ist normiert, gut verstanden und liefert auch unter wechselnden Prozessbedingungen stabile Ergebnisse.

Einsatzgebiete von Wirkdruckgebern in der Industrie

Die Differenzdruckmessung mittels Wirkdruckgebern ist in nahezu allen prozessnahen Branchen anzutreffen. Überall dort, wo Massenströme überwacht, bilanziert oder geregelt werden müssen, kommen diese Geräte zum Einsatz.

  • Chemische Industrie und Petrochemie: Messung aggressiver Medien unter hohem Druck und hohen Temperaturen
  • Energietechnik und Kraftwerke: Überwachung von Dampf- und Gasströmen in Turbinen und Kesseln
  • Wasseraufbereitung und Wasserwirtschaft: Präzise Volumenstromerfassung in Rohrleitungsnetzen
  • Lebensmittel- und Pharmaindustrie: Hygienegerechte Messung bei strengen Reinheitsanforderungen
  • Prozessindustrie allgemein: Kontinuierliche Anlagenüberwachung und Abrechnungsmessung

Besonders in Anlagen, die rund um die Uhr laufen, spielt die Zuverlässigkeit des Messgeräts eine entscheidende Rolle. Wirkdruckgeber überzeugen hier durch ihre wartungsarme Konstruktion und lange Lebensdauer, selbst unter rauen Bedingungen.

Bauformen und ihre spezifischen Vorteile

Je nach Anwendungsfall stehen verschiedene Bauformen zur Verfügung, die sich in ihrer Geometrie, ihrem Einbauprinzip und ihren Stärken unterscheiden. Die Wahl der richtigen Bauform hat direkten Einfluss auf Messgenauigkeit, Druckverlust und Wartungsaufwand.

Steckblenden

Steckblenden sind die klassische und am weitesten verbreitete Bauform. Sie werden in die Rohrleitung eingesetzt und erzeugen durch eine Querschnittsverengung den notwendigen Differenzdruck. Abnehmbare Steckblenden bieten den Vorteil, dass sie sich ohne Prozessunterbrechung wechseln lassen, was die Wartung erheblich vereinfacht. Sie eignen sich für kleine und große Rohrdurchmesser gleichermaßen.

Venturirohre

Venturirohre sind die bevorzugte Wahl, wenn ein möglichst geringer Druckverlust gefordert ist. Durch ihre strömungsgünstige Form wird das Fluid sanft beschleunigt und wieder verzögert, was den permanenten Druckverlust im Vergleich zur Steckblende deutlich reduziert. Sie eignen sich besonders für schwierige Bedingungen, etwa bei stark abrasiven oder verschmutzten Medien.

Staudrucksonden

Staudrucksonden sind eine flexible Alternative für Anwendungen, bei denen ein nachträglicher Einbau oder eine schnelle Montage gefragt ist. Sie werden direkt in die Rohrleitung eingeführt und messen den dynamischen Druck im Strömungsquerschnitt. Diese Bauform ist besonders dann sinnvoll, wenn Rohrleitungen nicht unterbrochen werden können oder der Platzbedarf begrenzt ist.

Worauf bei der Auswahl eines Wirkdruckgebers zu achten ist

Die richtige Auswahl eines Wirkdruckgebers beginnt mit einer genauen Analyse der Prozessbedingungen. Mehrere Parameter sind dabei entscheidend und sollten vor der Beschaffung sorgfältig geprüft werden.

  • Medium: Ist das Fluid gasförmig, flüssig oder ein Dampf? Ist es aggressiv, abrasiv oder viskos?
  • Betriebsdruck und Temperatur: Welche maximalen Werte treten im Betrieb auf?
  • Rohrdurchmesser und Einbausituation: Welche Bauform lässt sich konstruktiv integrieren?
  • Genauigkeitsanforderung: Handelt es sich um eine Abrechnungsmessung oder eine Prozessüberwachung?
  • Druckverlust: Wie viel permanenter Druckverlust ist im System tolerierbar?
  • Ausgangssignal: Welche Schnittstelle benötigt die übergeordnete Steuerung?

Ein häufig unterschätzter Aspekt ist die Materialwahl. Bei aggressiven Medien wie Säuren oder Laugen muss das Messinstrument aus geeigneten Werkstoffen gefertigt sein, um Korrosion und Messwertverfälschungen zu vermeiden. Hier zahlt sich eine enge Abstimmung mit dem Hersteller aus.

Wirkdruckgeber richtig in Messstrecken integrieren

Selbst ein hochwertiger Wirkdruckgeber liefert nur dann präzise Ergebnisse, wenn er korrekt in die Rohrleitung integriert wird. Strömungsstörungen durch Bögen, Armaturen oder Querschnittsveränderungen in der Nähe des Messgeräts können die Messung erheblich beeinflussen.

Deshalb werden Wirkdruckgeber in der Regel als Teil einer vollständigen Messstrecke eingesetzt. Eine Messstrecke verbindet den eigentlichen Differenzdruckgeber mit einer definierten Einlauf- und Auslaufstrecke, die eine gleichmäßige, ungestörte Strömung am Messpunkt sicherstellt. Die Länge dieser Beruhigungsstrecken richtet sich nach den geltenden Normen sowie den spezifischen Einbaubedingungen vor Ort.

Wichtig ist außerdem die korrekte Ausrichtung des Geräts: Bei Flüssigkeiten sollte das Gerät so montiert werden, dass keine Gasblasen in die Druckleitungen gelangen. Bei Gasen gilt das Umgekehrte für Kondensat. Diese scheinbar kleinen Details entscheiden in der Praxis über die langfristige Messqualität und Betriebssicherheit einer Anlage.

Wie Dosch Messapparate GmbH bei der Wirkdruckmessung unterstützt

Wir bei Dosch Messapparate GmbH entwickeln und fertigen seit über 80 Jahren hochpräzise Messtechnik für die Differenzdruckmessung und Durchflussmessung. Als Berliner Familienunternehmen in der 4. Generation verstehen wir, dass jede Messaufgabe individuelle Anforderungen mitbringt, und bieten deshalb maßgeschneiderte Lösungen statt Standardware von der Stange.

Unser Angebot umfasst alle relevanten Bauformen und Systemlösungen für die Wirkdruckmessung:

  • Abnehmbare Steckblenden für kleine und große Rohrdurchmesser, wartungsfreundlich und präzise
  • Venturirohre für anspruchsvolle Bedingungen mit minimalem Druckverlust
  • Staudrucksonden für flexible Einbausituationen und nachträgliche Installationen
  • Komplette Messstrecken, die Differenzdruckgeber, Einlauf- und Auslaufstrecke zu einer störungsarmen Einheit verbinden
  • Individuelle Beratung durch unser 15-köpfiges Ingenieurteam für Ihre spezifische Messaufgabe

Alle unsere Produkte werden nach dem Qualitätsversprechen „Made in Germany“ gefertigt und entsprechen der ISO 9001:2015-Zertifizierung. Ob Neuprojekt oder Optimierung einer bestehenden Anlage: Wir begleiten Sie von der Auswahl bis zur Inbetriebnahme. Nehmen Sie jetzt Kontakt auf und schildern Sie uns Ihre Messaufgabe, wir finden gemeinsam die passende Lösung.

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